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Anstoß

Es gibt Augenblicke im Wirbel des Alltags, die vergisst man nie. Sie sind so intensiv, dass man meint, die Zeit bleibt stehen. Der Zeitpunkt der Diagnosestellung Brustkrebs ist ein solcher. Dieser Moment lässt uns nicht mehr los, sogar wenn die tägliche Routine längst wie gewohnt abläuft, die Laufschuhe erneut regelmäßig geschnürt werden.

 

 

 

Mit der Diagnose Brustkrebs verliert jede Frau die Balance. Die eine mehr, die andere weniger. Der stabile Boden unter den Füßen verschwindet, das bisherige Leben wird durch einen aufsteigenden Nebelschleier verdrängt. Die ärztlichen Ankündigungen der Therapien und Maßnahmen, was nun zu tun, und zu lassen ist, legen sich noch darüber und verengen den Blick auf eine schmale Spur, das Überleben.

 

Und inmitten diesem breiigen Informationscocktail, der den Kopf umschwirrt, hören Sie in einem Nebensatz die Empfehlung:

 

 

 

„Bewegen Sie sich moderat!“

 

 

 

Dann legen Sie mal los!

 

Wie, was soll ich jetzt machen?

 

Fragen Sie Ihren Arzt oder … - ja, wen denn?

 

 

 

Möglicherweise wird die moderate Bewegung in einem Arztgespräch differenziert in ein Ausdauertraining und ein Muskeltraining. Aber was das bedeutet, welche Bewegungen, welche Sportart, wie lang und wie intensiv, ist damit nicht angesprochen. Sie schwimmen und rudern doch gerade sowieso, um wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen. Ist da ein Rettungsring mit genauen Anleitungen nicht hilfreicher, als verallgemeinernde Aussagen? Doch wo sind die Rettungsschwimmer? Menschen, die einem an die Hand nehmen, Mut machen und Kraft geben, uns anregen, das zu tun, was wir können und uns in der ersten Hilflosigkeit wieder aktiv werden lassen. Mit Bewegungen, die das körperliche Selbstvertrauen aufbauen, die Zuversicht gedeihen lassen, dass man diese Lebensphase überwinden kann, Schritt für Schritt, um erneut mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen.

 


Wir leben in einer Umbruchzeit der medizinischen Erkenntnisse und Anwendungen, die körperliche Schonzeit ist bei vielen Krankheiten vorbei, so auch bei Tumorerkrankungen. Die Zeiten von nur etwas Spazieren gehen, gehören zum Glück der Vergangenheit an. Eine personalisierte Sporttherapie und sogar intensive Belastungen werden heutzutage durch die Ergebnisse der Forschung empfohlen. Diese schlagen sich bereits zaghaft in der S3 Leitlinie Mammakarzinom 2017 nieder. Für die Umsetzung werden wir uns allerdings noch gedulden müssen. Geduld? Mit der Diagnose?

 

 

 

Sich über unser Gesundheitssystem zu ärgern bringt nichts, es ist eines der besten auf der Welt. Kommen Sie selbst in Bewegung. Solange Ihnen Ihre Ärzteschaft nicht ein, durch Kontraindikationen bedingtes Sportverbot erteilt, können Sie zumindest den ersten Schritt aktiv setzen.

 

 


Überlegen Sie zuerst, was Sie in Zukunft wirklich wollen und wie Sie das bekommen können. Egal wie Sie sich Ihre kommende Lebenssituation vorstellen, Sie brauchen dazu Kraft und Energie – physisch und psychisch – und die erhalten Sie durch Bewegung.

 

 

 

Suchen Sie sich eine Sport- oder Bewegungsart aus, die zu Ihnen in der aktuellen Situation.

 

 

 

Bedenken Sie, ohne Spaß und Freude läuft nur wenig.

 

 

 

Die zweckmäßig nächste Frage gilt der Zeit, die Sie sich dazu nehmen wollen, ohne in Stress zu kommen.

 

 

 

Wenn Sie sich für mehr Bewegung und Sport entschieden haben, sprechen Sie Ihre Ärztin/ Ihren Arzt darauf an, fragen, ob irgendwas dagegen spricht. Wenn Sie nur eine allgemeine, „moderate“ Antwort erhalten, bohren Sie weiter. In der Regel kommen Sie in der Situation mit einer größeren Anzahl an Ärzten in Kontakt, vielleicht finden Sie doch noch jemand, die oder der sich mit der bewegungsfreudigen Variante der Tumortherapie auskennt.

 


Nun setzten Sie sich Ihre Sportkappe auf oder blasen sich die wiedergewonnenen Haarsträhnen aus dem Gesicht und legen los!

 

Beobachten Sie sich genau: Wie reagiere ich körperlich? Bringt es mir ein Wohlgefühl oder quäle ich mich, weil ich meine Planung, meine Ziele unbedingt umsetzen will? Wie geht es mir an dem einen Tag und wie am nächsten oder übernächsten? Spüre ich im Laufe der ersten 4-6 Wochen, dass Bewegung und Sport immer besser klappen, alles leichter läuft? Wenn ja, Sie sind auf dem richtigen Weg. Wenn nein, haben Sie sich über- oder unterfordert?

 

 

 

Trainieren Sie effektiv. Planung ist gut, sinnvoll und motiviert, aber halten Sie trotzdem nicht stur daran fest.

 

 

 

Genießen Sie den heutigen und jeden weiteren Tag Ihres Lebens!

 

 

 

Aus gesundheitlicher Sicht sind die Grundsportarten die erste Wahl. Doch seien Sie flexibel – gerade das Unmögliche ist anziehend. Probieren Sie verschiedene Bewegungs- und Sportarten aus. Es gibt noch viel zu entdecken!

 

 

 

Unterstützen Sie Ihre Sportart und somit sich und Ihren Körper durch Funktionelles Training, Regeneration und Entspannung.

 

Machen Sie den Sport und die Bewegung zu Ihrem taktischen Verbündeten in Ihrem Lebens-Team.