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Chemo - eine Therapie mit Höchstbelastung


Gehören Sie zu denen, die die Chemotherapie noch recht gut vertragen? Die Chemoschwester ist erfreut über Ihre Werte und Ihr Befinden? Trotzdem ist es ein folgenschwerer Eingriff in die Abläufe des Körpers.

 

Durch den Port oder die Vene werden hochdosierte Chemikalien durch den ganzen Menschen geschleust. Das Blut ist unser Transportweg in alle Winkel des Körpers, wie ein vielverzweigtes Straßennetz. Im Normalfall läuft der Verkehr reibungslos, u.a. durch die Hormonpolizei geregelt. Mit Sauerstoff beladene LKW der Firma Hämoglobin teilen sich friedlich die Wege mit Botenfahrern der Leukozyten-Apotheken, um Immunabwehrstoffe zu verteilen. Eine Masse an energiereichen Nährwertlieferanten schlängelt sich zwischendurch. Doch nun kommt alles in Alarmbereitschaft, es sind Guerillakämpfer des Typs Tumorzellen gesichtet worden. Chaos entsteht auf den Verkehrswegen und alles schreit laut nach Hilfe. Ein gezielter Messerangriff aus der Luft erledigt das Widerstandsnest, doch es ist nicht klar, ob und wo sich noch versprengte Untergrundkämpfer verstecken. Eine konzertierte Aktion aller Militäreinheiten unter dem Decknamen Chemotherapie kommt im ganzen Land zum Einsatz,…! Das nun das ganze Verkehrsnetz erst Recht zusammenbricht, ist wohl nachvollziehbar. Das normale Leben gerät aus den Fugen, die übliche Leistungsfähigkeit reduziert sich empfindlich.

 


Was macht die Chemotherapie mit uns?

 

Diese Therapieform soll, vereinfacht ausgedrückt, die weitere Zellteilung der Tumorzellen verhindern. Tumorzellen teilen sich sehr schnell und gänzlich unkontrolliert, ohne wie üblich nach Gebrauch wieder abzusterben. Mit der jeweils speziellen Chemotherapie wird versucht, nur diese sich schnellteilenden Zellen zu erwischen. Das gelingt in den letzten Jahren immer besser, aber es werden leider auch heute noch viele gesunde Zellen mit geschädigt. Dies führt zu Nebenwirkungen. Am sichtbarsten an den Haaren, die sich ebenfalls aus schnellteilenden, allerdings gesunden Zellen, bilden.

 

Die Nebenwirkungen, wie z.B. die Übelkeit, versucht man, durch Medikamente (Antiemedika) zu reduzieren, was wiederum andere, wenn vielleicht auch nicht ganz so intensive Nebenwirkungen nach sich zieht. Damit geht es ziemlich rund im Körper, es bleibt kein Stein auf dem anderen! Der Körper wird mit der Chemotherapie gewaltig geschlaucht. Zusätzlich wird der komplette Alterungsprozess turbomäßig beschleunigt! Leicht zu erkennen an der Haut, da kommt so schnell kein Hautpflegemittel mit!

 

Die Chemotherapie wird im 3-Wochen-Rhythmus, manchmal aber auch wöchentlich gegeben. Die Infusionen im größeren Rhythmus sind in der Regel höher dosiert als die wöchentlichen. Die akuten Nebenwirkungen in den Tagen nach der Chemo sind in der Regel stärker. Ein Trost, man erholt sich dann wieder kontinuierlich, bis die nächste Dosis gesetzt wird.

 

Kontrolliert wird dieser Verlauf durch die Laborwerte aus den wöchentlichen Blutabnahmen. Besonders wenn man weiterhin Sport betreiben möchte, ist es ratsam sich Kopien für den Eigengebrauch zu besorgen. Arbeiten Sie sich etwas darin ein; in die Bedeutung der Werte und welche Auswirkungen geänderte Werte auf die körperliche Leistungsfähigkeit hervorbringen können. Lassen Sie sich aber nicht verunsichern, dass einzelne Werte nicht in der Norm liegen. Bei dem was gerade in Ihrem Körper passiert ist es auch bei bester Konstitution kaum möglich, dass alles spurlos an Ihnen vorüber geht. Nicht nur die Leukozyten haben einen Abwärtstrend, sondern in deren Gefolge verändern sich weitere Werte.

 

Sie werden feststellen, dass der Verlauf Ihres körperlichen Allgemeinbefindens nach der Infusion immer ähnlich ist. Die Werte gehen 1-2 Wochen lang nach der Chemo in den Keller, um dann wieder auf das Ausgangsniveau zurückzukehren. Das ist der Idealfall. Doch genauso wie die subjektiven Nebenwirkungen mit jeder Infusion ausgeprägter werden, verändern sich gleichermaßen die Laborwerte, da man nie ganz die Ausgangswerte erreicht. Ähnlich wie im Sport; wenn man zu viel oder falsch trainiert, schafft man sich vom Fitnessgrad immer mehr in den Keller, da die Erholungsphase nach der Belastung nicht ausreicht. Sorgen Sie sich jedoch nicht unnötig. Es lässt sich kaum vermeiden. Trösten Sie sich damit, dass es nach der letzten Chemo wieder aufwärtsgeht.

 


Mit den Laborwerten kann man sich vielleicht erklären, wenn sich ganz allgemein, etwas gravierend verändert. Zum Beispiel die Müdigkeit mehr als erwartet zu nimmt. Die Werte belegen, was der Körper einem schon längst sagt »Jetzt brauche ich absolute Ruhe«. Die Müdigkeit ist berechtigt! Mit ungünstigen Werten sind kein Marathonlauf und vielleicht noch nicht mal eine „richtige“ Trainingseinheit drin. Durch niedrige Hämoglobinwerte wird z.B. der für den Sport und Bewegung wichtige Sauerstofftransport verschlechtert.

 

Wenn es aufwärtsgeht, können wir die körperliche Belastung entsprechend wieder nach oben fahren. Denn wir möchten mit Bewegung und Ernährung die Verkehrswege doch gerne wieder ins Laufen bringen, die Ordnung herstellen, um »Versteckmöglichkeiten« für Tumorzellen zu reduzieren.