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Entlassen - einmal im positiven Sinn

Nach dem Krankenhausaufenthalt ist es zwar angenehm, wieder zuhause zu sein, doch man merkt, je nach Operationsgröße, dass noch nicht alles so geht wie gewünscht. Man spürt die fehlende Rundumfürsorge des Krankenhauses an allen Ecken. Es ist nun von Vorteil, wenn jemand da ist, der oder die sich etwas um das Alltägliche  kümmern kann. Das heißt, noch lange nicht, dass sich jetzt das Sofa zu Ihrem bevorzugten Platz mausern soll. Abgesehen vom normalen Tagesablauf haben Sie weiterhin genug mit sich selbst und mit der Planung der weiteren Vorgehensweise zu tun. Dazu kommen die aktiven Rehamaßnahmen, nicht zu vergessen, die im Krankenhaus gelernten Dehnübungen, die regelmäßig durchzuführen sind und natürlich möglichst viel rausgehen in die frische Luft, spazieren. Oder darf es etwas mehr sein?

 


Glück besitzt, wer in der Nähe von Unikliniken mit onkologischen Trainingszentren wohnt. Speziell ausgebildete SportwissenschaftlerInnen und ForscherInnen kümmern sich um KrebspatientInnen in Form einer Frühreha. Angedacht ist solch ein Angebot als Standard einzuführen. Doch bis dies Wirklichkeit wird, kann es noch dauern.

 

Was also tun, wenn es im eigenen Umfeld kein Angebot dieser Art gibt?

 

Erste AnsprechpartnerIn ist eine PhysiotherapeutIn, die sich nicht nur mit tumorbedingter Brustoperation und Lymphdrainage, sondern zusätzlich in der Sport- oder medizinischen Trainingstherapie auskennt. Am besten Sie schauen sich bereits vor dem Termin im Krankenhaus um. Wenn die Operation erst nach der Chemotherapie ansteht, ist genügend Zeit vorhanden. Aber auch mit der Operation kurz nach der Diagnose ist es angebracht, eine solche Terminvereinbarung trotz Chaos im Kopf unterzubringen. Sprechen Sie möglichst selbst mit der Therapeutin und vereinbaren Sie Behandlungstermine. Die PhysiotherapeutInnen, die die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen, haben oft eine lange Wartezeit!

 


Diese Therapeutin führt nicht nur die Arbeit der Kollegin aus dem Krankenhaus mit Dehnen und Lymphdrainage weiter, sondern probiert, je nach Rezept, auch die eine oder andere Muskelkräftigungsübung mit Ihnen aus. Sie weiß was geht und was weniger sinnvoll ist, welche Übungen die Wundheilung nicht stören und auf der anderen Seite dem Muskelerhalt dienen, die Faszien vor dem verkleben retten!

 

Es ist besonders in der Anfangszeit ermutigend, wenn man Unterstützung bekommt, nicht alles nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip ausprobieren muss, allein mit seinen Überlegungen und Gedanken da steht. Die physische und psychische Belastung ist auch sonst noch groß genug.

 


Etwas Eigenverantwortung in der Auswahl der Bewegungen kann man durchaus selbst tragen.

 

Zügiges Gehen in der frischen Luft ist auf jeden Fall gewinnbringend. Vielleicht ist nun die Zeit passend, auszuprobieren, was Sie alles im Alltag zu Fuß erledigen können. Zumal selbst Autofahren möglicherweise durch die noch frische Narbe nur eingeschränkt machbar ist. In öffentlichen Verkehrsmitteln muss man darauf achten, dass man keinen Schlag durch einen Rucksack oder Tasche abbekommt, festhalten geht nur mit einer Hand, deshalb ist ein Sitzplatz Voraussetzung. Also, warum nicht gleich zu Fuß gehen? Wenn man bisher mehrmals in der Woche Sport betrieben hat, sollte das nach einer Operation von der Kondition her kein Problem sein. Nutzen Sie jeden Zeitraum ohne Verpflichtungen für sich und Ihr persönliches Projekt »Leben-Jetzt«. Nachdenken und grübeln, was nicht ausbleibt, geht auch einwandfrei zu Fuß. Dies ist sogar besser, da die Gedanken mit der Bewegung gleichfalls in Bewegung kommen und sich nicht ganz so arg im Kreis drehen. Der Alltag muss ohnehin neu geordnet werden, warum nicht mehr Zeit für die Termine, inklusive Fußweg, einkalkulieren, um damit das Bewegungskonto im Alltag zu erhöhen? Diese körperlichen Aktivitäten liegen im Durchschnitt der Mitteleuropäer sowieso im Argen. Jeder Schritt mehr bringt Sie weiter.