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Faszientraining 2 - ein Spielplatz der Möglichkeiten

Ihre Faszien versuchen sich nach den Einschnitten der Operation selbst zu reparieren. Sie kleben zusammen, um eine gewisse Stabilität zu bekommen. Dies grenzt die elastische Bewegung und Beweglichkeit ein. Falls Sie sowieso Termine in der Physiotherapie haben, sprechen Sie Ihre Therapeutin darauf an. Sie kann bei entsprechender Ausbildung nachfühlen, was in Ihrem Narbenbereich so alles los ist. Womöglich erfahren Sie nun eine Ursache, warum es an einer Stelle immer wieder zippt und manchmal bei Dehnungen oder Belastungen sogar richtig weh tut.

 

Es ist nicht nur der Bereich des Schnittes, letztendlich wird Ihr ganzes Fasziengewebe in Mitleidenschaft gezogen. Dass Sie nun Verhärtungen am Oberschenkel haben oder sogar den Fuß auf der Narbenseite nicht optimal bewegen können, kann damit zusammenhängen.

 

Eine entsprechend ausgebildete Physiotherapeutin kann die ganze Kette der Faszien bearbeiten. Ob es direkt im Narbengebiet möglich ist, müssen Sie abklären. Denn falls Sie mit einer Strahlentherapie behandelt wurden, hat diese das Gewebe ebenso beeinträchtig, die Heilung ist unter Umständen noch nicht vollständig, es „strahlt“ nach wie vor.

 


Sie sind allerdings nicht von Ihrer Physiotherapeutin abhängig. Sie können selbst aktiv zu werden. Wählen Sie zu Faszien-Basisübungen noch spezielle Übungen und Massagen mit Rolle oder Bällen für relevante Stellen aus und absolvieren Sie diese Übungen 2-3x pro Woche. Das muss kein eigenständiges Training sein, sondern Sie teilen das auf Ihr restliches, sportliches Training auf. Manche Übungen eigenen sich besser vorher, andere, besonders die Massagen mit Rolle und Bällen können Sie in Ihr Abwärmprogramm integrieren.

 


Zu den Basisübungen gehören neben dem Dehnen federnde Bewegungen. Für die Leserinnen älteren Jahrgangs sind diese Übungen noch als Gymnastik bekannt. Besonders effektiv sind Hopser und Sprünge, da sie die Faszienplatte unter dem Fuß aktivieren. Durch die netzartige Verbindung setzt sich diese Aktion von Fuß bis Kopf fort. Sie müssen keinen Hochsprung absolvieren - am Anfang können Sie ganz locker auf der Stelle tänzeln wie ein Boxer. Bei beidbeinigen Sprüngen können Sie die Wanderstöcke zur Hilfe nehmen und springen mit geschlossen Beinen, gegrätscht zur Seite oder vor und zurück oder die Hüfte drehen. Diese Übungen lassen sich gut zu Beginn des Lauf- oder Walkingprogrammes absolvieren. Laufen Sie 5-10 Minuten ein und legen Sie immer wieder ein paar Hopser ein. Falls Sie auf Straßen laufen, eignet sich jede rote Ampel dafür. Zuhause führen Sie diese Sprungübungen barfuß durch, auf einem weichen Teppich oder einer dickeren oder zusammengelegten Gym-, Yoga- oder Isomatte.

 


Diese wichtigen Faszienplatten am Fuß können Sie zusätzlich im Alltag, ganz nebenbei, mit einem Tennisball bearbeiten. Legen Sie sich einen Ball unter Ihren Ess- oder Schreibtisch. Setzen Sie den Fuß in Socken oder barfuß auf den Ball und arbeiten Sie die ganze Fußsohle mit kreisenden Bewegungen durch. Wenn Sie einen Punkt erwischen, der weh tut, sind Sie an der richtigen Stelle! Bleiben Sie einen Moment auf diesem Punkt - ruhig weiter atmen und den Wohlschmerz (nicht mehr!)aushalten, er lässt gleich nach!

 


Um die Faszienketten zu dehnen sind Ganzkörperübungen sinnvoll. Bewegungen, die zum Beispiel die ganze Vorder-, oder Rückseite oder die Flanken von oben bis unten dehnen.

 

Ergänzend bewegen Sie sich noch schlangenhaft mit dem Rumpf, mobilisieren die Wirbelsäule, um wirklich alle Faszien zu erwischen. Probieren Sie es gleich jetzt beim Lesen aus und spüren Sie nach!