· 

Wandern 3 - Ein ganzheitlicher Blick auf die Technik

Wenn wir uns das Gangbild vorbeigehender, normalgewichtiger Menschen ansehen, werden wir selten zwei Personen finden, die genau gleich gehen. Erstens ist die Körperform und –Größe mit allen Details zu verschieden und zweitens spielen der Untergrund und die Schuhe eine Rolle. Dazu kommen die Erfahrungen und die Regelmäßigkeit, also die Gewohnheit und der Fitnessgrad.

 


Blicken wir auf das Gangbild, erkennen wir oftmals die momentane innere Haltung, die Stimmung beziehungsweise Laune. Wer eine negative Mitteilung oder vorher ein unliebsames Erlebnis hatte, wer krank oder ohne Energie ist - dazu zähle ich auch schlaffe Muskeln, mangelnde Dehn- und Beweglichkeit - wird eher kleinere Bewegungen ausführen. Der Körper ist mehr zusammengesunken, mit Blick nach unten, die Schritte klein oder sich gerade noch auffangend und schlurfend. Die Arme bewegen sich nur mit kleinen, eher steifem Schwingen vor und zurück. Denken Sie an die Zeit kurz nach der Diagnose! Wer hingegen vor Energie berstet, voller Vitalität ist, sich am Leben und seiner Umgebung erfreut, wird mit schwungvollen, leichten, ausgreifenden (nicht ausbremsenden!) Schritten zielstrebig vorangehen. Die Arme unterstützen die Vorwärtsbewegung oder wenn ein schnelles Vorwärtskommen nicht das Ziel ist, schlenkern die Arme in alle Richtungen. Es ist fast zu viel Energie da und die gibt man in solch einem Moment gerne überschwänglich ab. Ist beides richtig? Mit Abstrichen - ja, denn sobald wir nicht gut drauf sind, müssen wir Energie sparen, wo wir können, damit sie an anderer Stelle zur Verfügung steht. Wenn wir z.B. Schmerzen im Bereich der Narbe haben, verkrampft die Muskulatur im Oberkörper und den Armen, verbraucht mehr Energie. Diese steht damit nicht mehr für schwungvolle Schritte und Armbewegungen zur Verfügung. Oder wenn unsere Stimmung getrübt ist, wir am Grübeln sind - was ganz normal nach einer solchen Diagnose ist - verbrauchen wir mehr Energie dafür. Dazu verspannt sich die Muskulatur am ganzen Körper. Umgekehrt verfügen wir, wenn wir fit sind und uns wohlfühlen, über mehr als genug Energie um normal, dynamisch zu gehen. Damit wir nicht vor Kraft nicht gehen können, verpulvern wir sie in vermehrtem Schwingen und aufrechten, kraftvollem Gehen. Alternativ gehen oder wandern wir einfach schneller!

 


Sobald wir auf eine individuelle, aber natürliche Art und Weise gehen, nutzen wir unsere Energie bestens. Ganz entspannt. Der Gang sieht harmonisch aus. Zeigt Haltung. Trotz Krebserkrankung! Doch Voraussetzung dafür ist nicht nur die Energie, sondern zugleich eine sinnvolle, der Situation angepassten Geh- oder Wandertechnik.