· 

Entspannung - aber wie?


Dies wurde mir wieder bewusst, als sich gestern Abend ein gemeinsamer Wandertermin, bereits vor langer Zeit, für heute geplant, in Wohlgefallen auflöste. Grund – Stress! Für uns alle Drei war die Woche kein Zuckerschlecken, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Jede benutzte heute eine andere Methode, um aus dem Hamsterrad wieder rauszukommen.

 

Sich treiben lassen, Ordnung ins Leben bringen, oder wie ich, alleine wandern.

 

Alleine heißt für mich in dieser Situation kein Premiumwanderweg, auf dem man ständig jemandem begegnet und ins Gespräch kommt, und sei es nur »hallo« und »schön hier«.

 


Also setzte ich mich in einen Zug und fuhr nach Bad Kreuznach. Ja, genau dort, wo ich letzte Woche meinen/unseren Zieleinlauf hatte. In Gedanken an die sonntägliche Tour hatte ich sogar wieder die Regensachen eingepackt.

 

Ich musste zwar durch die Fußgängerzone, normalerweise für mich nicht ein Ort der Entspannung, doch um 9:00 Uhr drängten sich nur ein paar Rentner an den diversen Kaffeeständen, während die Verkäuferinnen die Türen aufschlossen. Geschlechtertrennung!

 

An dem Kirchturm-Kletterturm der CVJM vorbei kam ich recht zügig nach oben in die Weinberge, auf den Naheweinwanderweg. Richtung Bingen – genau wollte ich mich nicht festlegen, wie weit ich wandern wollte. Kein Druck!

 


Die Sonnenblumen suchten noch die Sonne, aber ich fühlte mich bereits – genau – entspannt! Dabei war ich erst am Anfang. Denn die Aussichten, nach Westen und bald auch nach Süden, waren exakt das, was ich brauchte. Weitblicke! Die Augen können sich ausruhen. Der Wind reißt langsam Lücken in die Wolkendecke. Weinberge, Felder, Wälder, Hügel. Gehen, im eigenen Rhythmus, Schritt für Schritt. Meditation in Bewegung.

 


Unterbrochen nur, durch den Bücherflohmarkt in der Eremitage bei Bretzenheim. Bücher, lesende Menschen bedeuten für mich ebenso Entspannung. Konnte ich natürlich nicht vorbeigehen, habe mir allerdings nur ein Taschenbuch zugestanden, wollte ja noch ein paar Kilometer wandern.

 



Dann erneut Tritt fassen. Wieder Weinberge und Felder, kurz durch den Langenlonsheimer Wald und dann wieder Weitblicke, nach Osten und Norden, das Rheintal bis Mainz, der Taunus, der Rochusberg. Eigentlich läuft es gut, also auch den Bahnhof in Laubenheim, in diesem Fall rechts liegen gelassen. Rehe und Segelfalter unterhalb des Paragliding Startpunktes.

 


Erst dann wird es langsam wieder laut, ich muss unter der Autobahn durch, den letzten Schlenker spare ich mir und gehe direkt bis Bingen. Fast 2 Etappen des Naheweinwanderweges, Weitwandern, mit Weitblick.

Entspannt, die stressige Arbeit der vergangenen Woche weit weg. Und noch den ganzen Sonntag vor mir!