· 

Herbststimmung


Meine Stimmung hatte sich dem Wetter angepasst. Nach in diesem Jahr wieder häufigeren Arztbesuchen, muss ich zur Kenntnis nehmen, dass die Therapien nicht spurlos an mir vorübergegangen sind. Zum Glück, direkt in und nach der Therapiezeit im positiven, aber im Laufe der Jahre vermehrt zum Nachteil. Ich möchte nicht alles auf Chemo, Strahlentherapie und Co. schieben, Alter, Verschleiß etc., tun bestimmt auch noch einiges dazu.

 


Die so oft erprobte Erkenntnis, dass ich mich durch Bewegung – und dazu in der warmen Sonne – aus diesem Stimmungstief wieder nach oben arbeiten kann, sollte sich heute erneut bewähren.

 

Klar, dass ich die Wanderschuhe schnüren würde. Mir fiel das erste Buch von Dr. Freerk Baumann (Sporthochschule Köln) wieder ein. Die ersten Studien im Winter in Norwegen, der Jakobsweg und die Alpenüberquerung mit Krebspatienten/Survivor. Regenerieren nach Krankheiten, auch psychischen Belastungen nach Krankheits-Diagnosen geht am besten durch Bewegung in der Natur. Nicht nur hier und dort ein bisschen, sondern über eine lange Zeit – er befürwortete in dem Buch »Die Macht der Bewegung« 40 Tage und es sollte eine Herausforderung sein.

 


40 Tage standen mir (ab) heute nicht zur Verfügung, es musste schneller aufwärtsgehen. Aber Herausforderungen finden sich jederzeit und in der Umgebung. Eine lange, körperliche Anstrengung traue ich mir im Moment nicht zu, also sollte es technisch sein. Wichtig ist, dass man sich auf etwas konzentriert und die negativen Gedanken keine Chance kriegen, sich im Kreis zu drehen.

 



Also ab, in den Zug gesetzt und nach Boppard zum Mittelrhein-Klettersteig gefahren.  Ja, der mausert sich in diesem Jahr zu meiner Lieblingsstrecke.

Obwohl ich relativ früh war, standen bereits zwei Gruppen am Einstieg. Sie ließen mich dankenswerterweise vor und blockierten die Strecke hinter mir. Ich war alleine unterwegs, keine Drängler, kein Geplapper, keinen Stau an den Kletterpassagen, nur Genuss; Gehen, Kraxeln, wunderbare Aussicht, Sonne und Wärme. Was will frau mehr?

 


 


 

 

 

Ich konnte mir sogar so viel Zeit lassen, dass ich (besonders an der letzten Station, wer den Steig kennt) ausprobieren, regelrecht üben konnte. Wo setze ich meinen Fuß besser hin? Finde ich mehr Stellen direkt am Fels, statt auf den Eisenbügeln? Drücke ich mehr aus den Beinen, statt dass ich mich mühsam mit einem Arm hochziehe? Entspanne ich jeden Muskel, der gerade nicht gebraucht wird?

 


Ja, es hat wieder viel Spaß gemacht! Jubelstimmung! Und Diagnosen hin oder her, die muss ich akzeptieren, aber ich kann mich noch viel bewegen und das ist das Wichtigste! Und Prognosen? Die habe ich bisher noch nie akzeptiert!

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es geht aufwärts!