Etappe 2 Herrstein -Hochstetten

Am Morgen wartet auf mich ein umfangreiches Frühstück, danach noch kurz beim Bäcker vorbei - für unterwegs - und los geht es zur zweiten Etappe. Sie beginnt wieder mit Stufen, hoch zur Schlosskapelle in Herrstein.

 

Das Gebiet gehörte im Mittelalter den Grafen von Sponheim. Richtig, der Name kommt mir bekannt vor.  Jutta von Sponheim war die Magistra beim Eintritt der Hildegard ins Kloster Disibodenberg. Ein kurzes Stück wandere ich noch durch den Wald und erblicke den Fernmeldeturm bei Bad Kreuznach. Ich bin mal gespannt, wie oft ich ihn auf der Tour sehen werde.  

 


Bereits vor 9:00 Uhr muss ich mich wieder durch meinen Strohhut beschatten lassen. Es beginnt eine sonnige, aber dafür weitsichtige Etappe über die Hunsrückhöhen und ins Pfälzer Bergland, überwiegend auf Forst- und Feldwegen. Solche Weitblicke liebe ich.  

 


 

 

Ich nähere mich dem derzeitigen am höchsten gehandelten Geburtsort der Hildegard, Niederhosenbach. Da im Mittelalter keine Geburten  verzeichnet wurden, dazu war die Kindersterblichkeit zu hoch, zudem keine niet- und nagelfeste Dokumente über die Familie vorliegen, kann man es im Moment nicht beweisen, aber es ist naheliegend.

 



Wieder stehen viele Informationstafeln am Wegesrand, mitten zwischen Wiesen und Feldern. Wer an keinen Buchstaben vorbeigehen kann, ohne sie zu lesen, hat viel zu tun und erfährt allgemeingeschichtliches und natürlich über Hildegard.

 

Diese multitalentierte Nonne lebte in einer Umbruchzeit, nicht nur dass adlige Frauen überhaupt Zugang zu Wissen erlangen können, sondern dass in dieser Reformzeit auch in der Religionsgeschichte etliches los ist. Mir fällt ein, dass zu dieser Zeit Peter Abälard das dialektische Denken in die Wissenschaft eingeführt hat. Das kann an Hildegard nicht spurlos vorübergegangen sein, auch wenn sie ihre eigenen prophetischen Schriften als unwiderlegbar darlegt. Auf der Wandertour bietet es sich an, die Zitate aus Scivias und die Pilgerfragen von Dr. Annette Esser ( www.scivias- institut.de )als Diskussionsgrundlage anzunehmen. Allein unterwegs, hinterfrage ich sie mir im Selbstgespräch.

 


Nach Niederhosenbach geht es in langgezogenen Auf- und Abstiegen zu dem Ort Bergen. Die Glocken läuten, als ich mich dem Dorf nähere. So ein bisschen fühlt sich das wie ein Willkommensgruß an. Im Dorf finde ich, wie im Pilgerbuch angekündigt, eine echte Pilgerstation. Pfarrer Krachen betreibt dort ein kleines Pilgerzentrum mit Übernachtungsmöglichkeit und Seminarraum  www.toskana-im-hunsrueck.de. Für unangemeldete PilgerInnen stehen unter einem Dach, ganz liebevoll hergerichtet, ein Küchenschrank, daneben ein Kühlschrank. Gegen eine Spende gibt es die eine oder andere Kleinigkeit, inklusive Wein, tragegerecht in kleinen Flaschen. Für eine Pilgervesper oder Aufenthalt innen muss man sich vorher anmelden.


Nur noch ein kurzes Stück in der Sonne, dann wandere ich das angenehm kühle Trübenbachtal hinab nach Kirn. Dort ist gerade Markt und damit wird es schwierig die Wege-Logos zu entdecken. Zum ersten Mal treffe ich ein Paar, das erstens ebenso auf der Suche nach den Logos und zweitens auf dem Hildegardweg unterwegs ist. Zuerst schiebe ich mich durch die Marktstände und Besucher zur Touristinfomation und neben einem Pilger-Stempel erfrage ich, wo die nächste Einkaufsmöglichkeit ist, hauptsächlich für Wasser. Denn es ist erst Mittag und ich möchte noch etwas weiter wandern. Nach einem Eis, zwar nicht die richtige Powernahrung, aber der Genuss gehört auch dazu, mache ich mich wieder auf den Weg und suche die Hildegardtafel über Wasser und Bier. Ich finde sie nicht. Nochmal zurück zur Touristinfo; doch die Tafel muss dort drüben an der Kirche sein. Noch einmal im Karree. Nichts. Wahrscheinlich versteckt sie sich unter den Auslagen eines Markthändlers. Alternativ knipse ich ein Foto vom Brauereischornstein. 

 


Der Weg windet sich nun heraus aus Kirn und für über 30°C gewaltig nach oben bis zum Abzweig nach St. Johannisberg, mit einer Kirche, die leider montags geschlossen ist und dem Skywalk. Dort treffe ich auch nochmal das Paar aus Kirn, dass aber leider die Tour aus gesundheitlichen Gründen abbrechen muss.

 


Zuerst weiß ich nun auch nicht weiter, ich stehe vor einer Absperrung mit Durchgang-Verboten-Schild wegen Herkulesstauden. Das ist nicht ohne, aber es gibt keinen Hinweis zu einer Alternativroute. Laut der Karte in der App www.gastlandschaften.de kann ich allerdings ein Stück entlang einer Landstraße nach unten wandern und treffe dann wieder auf den Weg. Unterhalb des Friedhofes, verlasse ich diesen wiederum, Hochstetten ist nach 23 km für mich heute Endstation.

So langsam komme ich richtig in Schwung, genieße das Wandern, finde einen Rhythmus, trotz Hitze. Ich muss mich allerdings morgen auf einen noch hitzigeren Tag einstellen.