Etappe 3  Hochstetten - Stauernheim


Morgens, nach dem Aufstehen, der erste Blick auf die Wetter-App. Es bleibt dabei, heute wird es noch etwas heißer! Bis zu 38°C meldet der Wetterbericht im Nahetal . Also Rucksack wieder bis oben mit Wasserflaschen auffüllen, Strohhut auf. Um 8:15 Uhr starte ich in Hochstetten. Und es geht natürlich zuerst wieder aufwärts. Noch ist die Luft angenehm.

 


Nachdem die letzten Häuser hinter mir liegen, spenden Bäume Schatten. Daraus entwickelt sich sogar ein richtiger Wald. Die Logos zeigen dann den Weg bergab, aber ich gehe den Zuweg nach Schloss Dhaun weiter bergan. Eine weitere Infotafel soll im Schlosshof stehen. Ich finde diese Tafel zu dem Thema Musik unweit der alten Kanone, die auf das Tal ausgerichtet ist. Wieder abwärts verlasse ich den Waldweg und wandere auf einem Pfad bis zur Ruine Brunkenstein. Von dort geht es recht steil nach oben auf den Forstweg zurück. Kurz vor dem Abzweig steht eine weitere Infotafel. Ich überschlage, geschätzte 2 km muss man zur Kilometerangabe dieser Etappe dazurechnen, wenn man diesen Abstecher mit den 2 Tafeln nicht auslassen will.

 


Ich genieße jetzt den abfallenden Weg im Waldschatten nach Simmertal, weiß ich doch, dass es der letzte kühlere Flecken sein wird. Bereits im Ort selbst knallt die Sonne kräftig. Ab hier geht es auf dem Weinwanderweg Rhein-Nahe durch die Weinberge im ständigen auf und ab über Weiler und Monzingen bis nach Bad Sobernheim. Ich möchte doch gerne wissen, wie viel Grad es hier in der Sonne sind? Vor dem zur Zeit brachliegenden Monzinger Frühlingsplätzchen? Ideale Weinbergslage, nach Süden ausgerichtet, das Wandern weitgehend auf Asphalt. Mir fallen frühere Hitzewettkämpfe im Triathlon ein. Ein kleines bisschen ist es für mich heute auch ein Wettkampf. Ein Wettkampf mit mir selbst, hat mein Gefühl oder die Vernunft recht, die immer wieder an die hohen Temperaturen mahnt? Ich fühle mich besser, als erwartet. Na also, das Gefühl hat die Spitzenposition übernommen. Ich hänge aber auch ständig an der Flasche. Wasser! Leider habe ich keine Teebeutel dabei, die Wassertemperatur wäre bestimmt richtig dafür. Sparen muss ich nicht mit dem Wasser, Bad Sobernheim hat mehrere Lebensmittelgeschäfte und ich kann den Vorrat auffüllen. Mit kühlerem Wasser.

 


Irgendwann wird mir bewusst, dass sich meine Gedanken nur ums Gehen und Trinken drehen. Keine „philosophischen“ Zwiegespräche mit mir, das Thema Hildegard rückt immer weiter in die Ferne. Aber auch vergessen ist die Brustkrebserkrankung, obwohl die Diagnose diese Woche genau 6 Jahre her ist, die bevorstehenden Jahresuntersuchungen mit der üblichen Nervosität vor mir liegen – weg, aus dem Kopf. Es entwickelt sich immer mehr eine Form des meditativen Gehens, ganz im Hier und Jetzt.

 


Da ich vor einer Weile für 4 Jahre in Bad Sobernheim gewohnt habe, kenne ich mich aus und gehe zügig durch den Ort, inklusive Einkauf, in Richtung Nahe. Dort freue ich mich auf das Sommer Café. Eine herzhafte Dinkelwaffel und dazu ein Bier (alkoholfrei, man kann wählen!) bildet das extra angebotene Pilgeressen. Lecker! Gestärkt gehe ich noch ein Stück weiter, am Barfußpfad entlang bis nach Staudernheim. Barfußgänger beneiden mich um meine Wanderschuhe, der Boden unter ihren Füßen ist ihnen zu heiß. Sie wissen nicht, wie es in meinen Schuhen qualmt.

 


Im Etappenort angekommen, macht sich ein kleines bis größeres Triumphgefühl breit. Tschakka! Trotz der Hitze über 30 km gewandert. Bin zwar nicht mehr ganz frisch und sehe wahrscheinlich wie einmal durch die Waschmaschine gedreht aus, fühle mich aber weder ausgelaugt, noch am Ende meiner Kräfte. Ich kann mich immer noch auf mein Gefühl für meinen Körper verlassen. Das Vertrauen ist wieder uneingeschränkt da!

 

Bin heute darauf angesprochen worden, ob ich auch den Disibodenberg besuche. Aber sicher! Der steht Morgen gleich in Frühe an. Bin gespannt, ob sich in den letzten 7 Jahren etwas geändert hat?